Arbeiterwohlfahrt


Johanna-Kirchner-Haus
Übergangseinrichtung für psychisch beeinträchtige Menschen
TürJohanna-Kirchner-Haus

Ziel der Einrichtung


Ein Aufenthalt im Johanna-Kirchner-Haus hat das Ziel, den Kreislauf von Klinik-aufenthalt, Entlassung und erneutem Klinikaufenthalt usw. zu unterbrechen und soll die Möglichkeit bieten, sich in einem beschützenden und familiären Umfeld zu stabilisieren.

Wir möchten unsere Bewohner in einer sicheren Umgebung individuell dabei unterstützen, neue Fähigkeiten zu erlernen bzw. vorhandene Fähigkeiten mit dem Ziel zu trainieren, das zukünftige Leben weitestgehend eigenständig und verantwortlich gestalten und ein stabiles Lebenskonzept unter Berücksichtigung der jeweiligen Erkrankung und Problematik entwickeln zu können.

Um dauerhaft in Einklang mit der Erkrankung leben zu können, suchen wir gemeinsam mit unseren Bewohnern nach passenden Lösungs- und Bewältigungsstrategien.


Basisvariablen


Basisveriablen

Die Angebote zur Betreuung und Therapie im Johanna-Kirchner-Haus basieren auf einer systematischen Erhebung von Informationen durch Auswertung von Arzt- und Sozialberichten, Anamneseerhebung mit dem Bewohner, Fremdanamnesen (Angehörige, soziales Umfeld, Betreuer), Verhaltensbeobachtungen und Gespräche zur Auftragsklärung mit allen Beteiligten.

Ziele und Maßnahmenplanungen werden in einem Hilfeplan innerhalb von 3 Monaten nach dem Einzug schriftlich festgelegt, in den pädagogischen Teams regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. In einem jährlichen Entwicklungsbericht werden die Ergebnisse dokumentiert und Ziele und Maßnahmen fortgeschrieben.

Ein Krisenmanagement und die Verfügbarkeit der Einrichtungsleitung und des psychiatrischen Facharztes machen schnelle Reaktionen auf kurzfristige Entwicklungen möglich.


Die zentralen therapeutischen Angebote sind gekennzeichnet durch die Variablen:

Beziehung

= Stützende und stabilisierende Beziehungsangebote und Kontakte, Vermittlung der Beziehungsfähigkeit,

Struktur

= Vermittlung innerer und äußerer Strukturen, konkrete Problembewältigung

Motivation

= Entgegenwirkung von Resignation, Verweigerungshaltung, passiv und aktiv aggressives Verhalten, Ablehnung von Eigenverantwortung, mangelndes Selbstwertgefühl, etc., zur Folge

Integration

= Vermittlung der Fähigkeit zu Gemeinschaft und Teilhabe, sowie Aufbau sozialer Kompetenz einen von sich selbst und von anderen anerkannten Platz in der Gesellschaft einnehmen.


Korrigierende Erfahrungen

Wir ermöglichen in der Einrichtung korrigierende Erfahrungen. Dazu gehört problematisches Verhalten zunächst auszuhalten. Der wertschätzende und lösungsorientierte Umgang mit diesem Verhalten ermöglichen den Bewohnern korrigierende Erfahrungen. Die geduldige Erarbeitung und Erprobung von alternativen Verhaltensweisen ersetzt untaugliche Lösungen aus der Vergangenheit.

zum Seitenanfang


Ausstattung


Das Johanna-Kirchner-Haus verfügt insgesamt über 44 möblierte Einzelzimmer, mit jeweils eigenem Bad, verteilt auf 5 Wohnbereiche. Die Wohnbereiche sind aufgeteilt in:

  • Gruppe 1: beschützende (geschlossene) Gruppe mit 9 Plätzen
  • Gruppe 2a und 2b: beschützende (geschlossene) Gruppe mit 15 Plätzen
  • Gruppe 3: offene Gruppe mit 9 Plätzen
  • Gruppe 4: offene Gruppe mit 5 Plätzen
  • Dach Haupthaus: offen mit 6 Plätzen mit Angliederung der Betreuung an die Gruppen 1, 2, 3


Den Bewohnern der Einrichtung steht zur Verfügung:

  • Möblierte Bewohnerzimmer (Bett, Tisch, Stuhl, Kleiderschrank, Regal, Nachttisch). Eigene Möbel können nach Absprache integriert werden.
  • Fernsehanschluss in den Zimmern
  • fünf Wohnzimmer mit Fernseher und Hifi-Anlage
  • fünf Küchen
  • fünf übergreifende Therapieräume
  • einen Fitnessraum mit verschiedenen Geräten
  • Tischtennisplatte, Kicker, etc.
  • einen kleinen Sportplatz mit Torwand und Volleyballnetz
  • eine beschützende (geschlossene) und eine offene Gartenanlage, Gemüse- und Blumengarten
  • telefonische Erreichbarkeit in jeder Gruppe


zum Seitenanfang


Leben in der Wohngruppe


Gruppe 2 - Wohnzimmer -

Wir bieten unseren Bewohnern ein sicheres und berechenbares Umfeld, sowie Schutz und Hilfe bei der Bewältigung Ihrer Erkrankung und persönliche Probleme. Dies geschieht stets durch eine individuell zugeschnittene Förderung und Betreuung.

Im Johanna-Kirchner-Haus leben Menschen mit teils erheblichen persönlichen und sozialen Einschränkungen. Die Bewohner des Hauses werden daher in Wohnbereiche mit maximal neun Zimmern pro Einheit aufgenommen. Jedem Bewohner steht ein möbliertes Einzelzimmer mit Nasszelle zur Verfügung. Jeder Wohnbereich wird von einem festen Betreuungsteam begleitet. Dies ermöglicht berechenbare soziale Beziehungen und Strukturen und schafft eine Balance zwischen Anforderungen und Rückzugsmöglichkeiten.



Die Mahlzeiten umfassen drei Hauptmahlzeiten am Tag und werden von den Mitarbeitern der Einrichtung zubereitet. Je nach Wohngruppe und eigenen Fähigkeiten werden die Bewohner bei der Zubereitung der Mahlzeiten sowie bei der Küchenarbeit (Auf- und Abdecken des Tisches, Ein- und Ausräumen der Spülmaschine etc.) mit einbezogen.

Bei der Erstellung des wöchentlichen Speiseplans der jeweilien Wohngruppe werden Wünsche und Anregungen der Bewohner berücksichtigt und nach Möglichkeit umgesetzt. Sollten aufgrund einer Diabeteserkrankung, Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten sowie aus religiöser oder ethischer Überzeugung die Zubereitung spezieller Kost erforderlich sein, werden wir dies gerne berücksichtigen.

Die Betreuung in den beschützenden Gruppen wird bei selbstschädigendem oder fremdgefährdendem Verhalten durch einen Unterbringungsbeschluss von einem Richter angeordnet. Das Wohnen auf einer beschützenden Gruppe kann jedoch auch mit schriftlicher Einverständniserklärung des Bewohners und dessen gesetzlichen Betreuer freiwillig erfolgen. Bei einer positiven Entwicklung unterstützen wir unsere Bewohner dabei, einen bestehenden Unterbringungsbeschluss aufheben zu lassen. Die Ausgangsregelungen orientieren sich an den bestehenden Hausregeln der Einrichtung.

Gruppe 2 - Flur -


zum Seitenanfang


Individuelle Therapieplanung und -durchführung


In der Beratung und Therapie arbeiten wir gemeinsam mit dem Bewohner an dessen individuellen Problemen und Zielen und versuchen dabei, seine persönlichen Fähigkeiten auszuloten und weiterzuentwickeln. Dies erfolgt in der Regel durch Einzelgespräche und Einzelaktivitäten. Je nach Bedarf kommen hier verschiedene methodische Ansätze und Konzepte zum Einsatz. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit behandelnden und beratenden Fachärzten, Angehörigen, rechtlichen Betreuern, Behörden und Institutionen ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit.

In individuell stattfindenden Einzelgesprächen wird besprochen, welche Unterstützung und Förderung der Bewohner für seine spezielle Situation benötigt und was er selbst dazu beitragen kann, um seine Lebenssituation zu verbessern. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Aktivierung von Fähigkeiten, Stärken und Ressourcen. Die gemeinsam erarbeiteten Ziele und geplanten Maßnahmen, sowie die erreichten Therapieerfolge werden einmal jährlich im Rahmen des Gesamtplanverfahrens (Erstellung eines Entwicklungsberichts) besprochen und schriftlich festgehalten. Das implementierte Qualitätsmanagement der Einrichtung garantiert Transparenz und Nachvollziehbarkeit aller geplanten und durchgeführten Maßnahmen und beinhaltet statistische und individuelle Auswertungsmöglichkeiten.

Zur Erreichung eines bestmöglichen Therapieerfolgs setzen wir, unter Berücksichtigung der individuellen Möglichkeiten des jeweiligen Bewohners, voraus, dass dieser gemeinsam mit uns an der Erreichung und Verwirklichung seiner Ziele mitarbeitet.

Ein differenziertes Mentorensystem auf den Wohngruppen stellt sicher, dass jeder Mitarbeiter zielgerichtet und bedarfsorientiert mit den einzelnen Bewohnern arbeitet.


zum Seitenanfang


Umsetzung ärztlicher Verordnungen


Die psychiatrische Behandlung erfolgt durch die Institutsambulanz des Krankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck (KPPPM).

Eine Facharztsprechstunde findet 14-tägig in der Einrichtung statt. Die telefonische Erreichbarkeit ist in Krisensituationen gewährleistet. Eine kontinuierliche und zeitnahe psychiatrische Behandlung ist die Grundlage und Voraussetzung für unsere Arbeit und alle weiteren Angebote. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit dem Bewohner dessen medikamentöse Einstellung während des Aufenthalts im Johanna-Kirchner-Haus nach dem Grundsatz: "So viel wie nötig, so wenig wie möglich!" zu optimieren.

Die medizinisch-somatische Behandlung und Versorgung (Behandlung von körperlichen Beschwerden) wird durch örtliche Haus- und Fachärzte in Marktbreit und Umgebung abgedeckt. Darüber hinaus stehen wir in enger Kooperation mit den umliegenden allgemeinärztlichen Krankenhäusern. Alle ärztlichen Verordnungen werden soweit möglich in der Einrichtung umgesetzt. Die Durchführung von Behandlungspflege ist konzeptionell nicht möglich.

zum Seitenanfang


Arbeits- und beschäftigungstherapeutische Angebote


Zur Tagesstrukturierung bieten wir Arbeits- und beschäftigungstherapeutische Angebote in verschiedenen Bereichen an. Zusätzlich gibt es ergänzende Angebote durch unsere ErgotherapeutInnen. Abhängig vom Grad der Beeinträchtigung nehmen unsere Bewohner in unterschiedlichem Maß an den Therapieangeboten teil. Die Beschäftigungszeiten reichen von wenigen Minuten bis zu 6 Stdunden am Tag.

Schreinerei / Kreativwerkstatt

HolzwerkstattHolzwerkstattHolzwerkstattKreativwerkstattKreativwerkstatt

Hier besteht die Möglichkeit, komplexere Arbeitsabläufe zu trainieren. In der Schreinerei erwarten wir eine größere Konstanz der Arbeitsleistung und Arbeitszeit. Für diesen Bereich stehen uns Schreinermeister, ErgotherapeutInnen und SozialpädagogInnen zur Verfügung.

Die Arbeitsaufträge für unsere Holzwerkstatt reichen von einfacheren Reparaturen bis hin zu komplexer Möbelfertigung und dem Bau von Garten- und Parkmöbeln.

In der angeschlossenen Kreativwerkstatt sind wir in diesem Punkt flexibler. Hier fertigen wir u. a. Bilderrahmen, Spiegel, Mobiles und sonstigen Zimmerschmuck an. Ein hauseigener Brennofen ermöglicht die Verarbeitung von Ton zur Herstellung unterschiedlichster Objekte.

Neuen Ideen stehen wir aufgeschlossen gegenüber und freuen uns über Anregungen durch unsere Bewohner.



zum Produktbereich unserer Schreinerei


Montage und Verpackung

In der Playmobil®montage können durch Arbeiten in der Gruppe Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und viele weitere Ressourcen erprobt und gesteigert werden.





Hauswirtschaft

Hauswirtschaft

Der hauswirtschaftliche Bereich soll in erster Linie auf eine spätere eigenständige(re) Haushaltsführung vorbereiten. Die Bewohner arbeiten in den beschützenden und offenen Gruppen beim Kochen und beim Reinigen der Gemeinschaftsräume mit. Diese Möglichkeit wird auch von Bewohnern, die nicht oder noch nicht zu komplexeren Arbeiten in der Lage sind gerne wahrgenommen.



Hausmeisterei

Hausmeisterei

Für interessierte Bewohner besteht die Möglichkeit, die zuständigen Mitarbeiter bei kleineren Reparatur-, Wartungs- und Gartenarbeiten zu unterstützen und Ihre Fähigkeiten in diesen Bereichen zu vertiefen.



Externe Arbeitserprobung

Externe Arbeitserprobung

Durch Praktika in Firmen, Einrichtungen und Geschäften im Einzelhandel in der Umgebung der Einrichtung besteht die Möglichkeit, die Eignung für den ersten Arbeitsmarkt zu erproben.



zum Seitenanfang


Additive Angebote


Im Rahmen unserer additven (ergänzenden) Angebote werden Einzel- und Gruppenaktivitäten angeboten, die sehr flexibel und individuell auf die jeweiligen Bewohner zugeschnitten sind. Wir wollen Impulse geben, krankheitsbedingt verlorene oder nicht erlernte Fähigkeiten (erneute) zu entwickeln. Die MitarbeiterInnen der Einrichtung stehen hierfür begleitend und unterstützend zur Verfügung.

Freizeitgestaltung Freizeitaktivitäten werden sowohl im Rahmen der Wohngruppe als auch übergreifend durch die Additiven Dienste angeboten. Gemeinsame Ausflüge, der Besuch kultureller Veranstaltungen, sportliche Aktivitäten, Lagerfeuer oder Zeltwochenenden, Disco- und Kinobesuche sind Angebote, an denen bei Interesse teilgenommen werden kann.


Sport und BewegungBewegung und Sport tragen zur Entwicklung eines gesundes Körperbewusstsein bei. Es besteht die Möglichkeit, sich alleine oder gemeinsam mit anderen in Begleitung von Mitarbeitern oder eigenständig sportlich zu betätigen. Walking, Tanz und Bewegung für Frauen, Fitnesstraining an Geräten und regelmäßige Schwimmbadbesuche gehören zu unseren festen Angeboten.


EinzelaktivitätenEinzelaktivitäten im Rahmen der Ergotherapie finden ergänzend nach Bedarf statt und richten sich nach den individuellen Bedürfnissen des Bewohners, z.B. als kognitives Training oder Training lebenspraktischer Fähigkeiten.



zum Seitenanfang


Einrichtungsverbundenes Wohnen


Bewohner des Johanna-Kirchner-Hauses können bei entsprechender Entwicklung und Eignung in das einrichtungsverbundene, betreute Wohnen wechseln. Zuständig für die Betreuung ist ein Team von SozialpädagogInnen und BürgerhelferInnen. Der Betreuungsschlüssel beträgt 1: 4 und kann nach 2 Jahren, je nach Entwicklung des Bewohners, auf 1:6 oder 1:8 reduziert werden.

Die Bewohner können zur Tagesstrukturierung an den Arbeits- und beschäftigungstherapeutischen Angeboten, dem Mittagstreff und bei Bedarf an den Freizeitangeboten des Johanna-Kirchner-Hauses, teilnehmen. In Krisensituationen, wenn der zuständige Sozialpädagoge nicht erreichbar ist oder zusätzliche Betreuung erforderlich ist, kann diese zeitnah im Johanna-Kirchner-Haus erfolgen.